Twitterrific 5: Interview mit Gedeon Maheux von The Icon Factory

Passend zum heutigen Release von Twitterrific 5, haben wir Gedeon Maheux von the iconfactory zu der neusten Version ihres Twitter-Clients und den Änderungen von Twitter ausgefragt. Bevor wir lange um den heißen Brei reden, fangen wir gleich mit dem Interview an. Das Review zu Twitterrific 5 könnt ihr aber gerne davor noch lesen.

Beschreibe bitte deine Arbeit und die von der iconfactory in einigen wenigen Sätzen.
Die iconfactory spezialisiert sich in Icon und User Interface Design für kleine, sowie große Kunden. Wir haben einige der bekanntesten Icons der Welt designt, einschließlich der von Windows XP und Windows Vista, sowie Icons und UI-Designs von einigen der bekanntesten App Store Apps. Wir sind seit 1996 im Geschäft und arbeiten neben unseren Design-Dienstleistungen auch an eigenen iOS und Mac Programmen.

Dies ist nun die fünfte Version von Twitterrific. Wie war es mit Twitter zusammen zu arbeiten?
Twitter hat sich über die Jahre sehr verändert, doch das letzte Jahr war äußerst herausfordernd, da sie sich von den Dritt-Entwicklern abgewandt haben. Ich glaube, wir alle verstehen, warum es für Twitter ein notwendiger Schritt ist, dennoch ist es schwierig, wenn man bedenkt, wie wichtig Dritt-Apps wie Twitterrific in den frühen Jahren für Twitter waren. Die Plattform ist weiterhin praktikabel, aber nur für Entwickler, die schon länger für diese entwickeln oder an Apps arbeiten, die nicht direkt die Kern-Funktionalität nachahmen.

Hat sich das nun mit ihrer neuen Politik verändert? Fühlst du dich hintergangen?
Wie bereits gesagt, denke ich, dass wir alle wissen, warum Twitter diese Änderungen durchgenommen haben. Es ist ihre API, ihre Plattform, sie können damit tun, was sie wollen. Ich würde nicht sagen, dass ich mich hintergangen fühle, aber es ist definitiv stressiger nicht zu wissen, was Twitter in Zukunft plant. Es ist schwierig Funktionalität in die App einzubauen, wenn man nicht weiß, ob sie in einer Woche, Monat oder Jahr noch existiert.

Gefällt dir die Richtung, die Twitter gerade einschlägt?
Ob es uns gefällt oder nicht, es ist passiert und die Frage, die man sich nun stellt, ist, ob die Leute bleiben? Ist Twitter sich in ihrer Wahl sicher genug, dass sie es riskieren können, Nutzer zu verlieren, die sich nicht um Promoted Tweets kümmern, nicht mit Stars in Kontakt treten wollen und keine Infos von irgendwelchen Firmen erfahren wollen. Ich glaube, viele von uns haben sich bei Twitter angemeldet, weil es schnell und einfach war mit Freunden und Menschen mit den gleichen Interessen in Kontakt zu treten. Der Dienst ist aus dieser Phase sicherlich hinausgewachsen, aber die Frage bleibt weiterhin: Werden sich weiterhin Leute anmelden oder werden sie nach anderen Diensten, wie App.net, suchen, die ihren Fokus weiterhin auf soziale Netze legen.

Ist das Limit von 100.000 Token ein Problem für euch? Kann man sich trotz dieser Limitierung, weiter darauf konzentrieren, eine App zu entwickeln?
Es ist kein Problem, was iOS angeht. Leider ist es nicht ganz so einfach an der Mac-Front. Es ist beunruhigend, dass neue Entwickler, die gerade erst anfangen, von Beginn an schon so von Twitter eingeschränkt werden. Leider ist das die Welt, in der wir Leben.

Was hältst du von App.net? Habt ihr schon in Erwägung gezogen, für diese Plattform zu entwickeln? Könntest du dir vorstellen, Twitterrific in Netterrific umzutaufen und Twitter zurück zu lassen?
Um ehrlich zu sein, haben wir uns bisher so sehr auf Twitterrific 5 für iOS konzentriert, dass wir bisher gar keine Möglichkeit hatten, uns die API von App.net anzuschauen. Wir hoffen aber, dass wir es im kommenden Jahr tun können.

Lass uns nun über Twitterrific 5 reden.
Wie lange war die App in Entwicklung? Wie viele Leute haben daran gearbeitet und gab es irgendwelche größeren Probleme während der Entwicklungsphase?
Twitterrific 5 für iOS befand sich ungefähr acht Monate lang in aktiver Entwicklung. Wir haben im März ernsthaft angefangen daran zu arbeiten, haben davor aber schon viel am User Inferface gemacht. Sechs von uns arbeiteten mehr oder weniger regelmässig während dieser Zeitspanne an der App: Drei Entwickler, zwei Designer und ein Projekt-Manager, aber unsere Zeit variierte, da andere Projekte unsere Aufmerksamkeit verlangt haben. Als das MacBook mit Retina-Bildschirm angekündigt wurde, musste Craig die Arbeit an Twitterrific kurzzeitig einstellen, um xScope an den neuen Bildschirm anzupassen. Wir haben also nicht die ganze Zeit an dieser App gearbeitet.

Das größte Problem während der Entwicklung waren die wechselnden Anforderungen von Twitter selbst. Als die App halbfertig entwickelt war, kündigte Twitter neue Drittanbieter-Richtlinen an, die uns dazu zwangen die Entwicklung zu pausieren und alles zu überdenken. Das User Interface von Twitterrific 5 musste geändert werden, um mit den neuen Beschränkungen von Twitter konform zu sein, und verschiedene Funktionen, wie das Anzeigen von Retweets, mussten entfernt werden, da dies in Version 1.1. der Twitter API nicht mehr erlaubt war.

Warum habt ihr euch dazu entschieden, die ganze App neu zu gestalten? Fandet ihr, dass Twitterrific 4 veraltet aussah?
Es war nicht nur eine Frage des Aussehens. Verschiedene Interaktionen waren mit der Art, wie Twitterrific 4 designt war, einfach nicht mehr möglich. Wir wussten zum Beispiel, dass wir viel mehr Flexibilität über einzelne Accounts wollten und das war ohne Redesign nicht möglich. Das komplett neue Back-End erlaubt uns viel mehr Freiheiten und Flexibilität, wenn wir neue Funktionen hinzufügen wollen und deswegen machte eine komplette Neugestaltung Sinn.

Wird die Mac-App der iOS-App ähneln?
In vielerlei Hinsicht, ja. Natürlich, kann man nicht jedes Element eins zu eins von iOS auf den Mac übertragen, aber insgesamt wird man merken, dass beide Apps von dem gleichen Code und der gleichen Design-Philosophie profitieren.

Was war euer Ziel, als ihr an Twitterrific 5 gearbeitet habt? Für wenn ist die App?
Unser Ziel war es schon immer, den schönsten und benutzerfreundlichsten Twitter-Client zu bauen. Jede Version von Twitterrific legte den Schwerpunkt auf das Schreiben und Lesen von Tweets. Andere Funktionen können diese Kernfunktionen unterstützen, sind aber dennoch nur zweitrangig für uns. Unser Ziel war es immer, einen Client zu bauen, den wir selbst täglich nutzen wollen und ich denke, dass wir das mit Version 5 endlich erreicht haben.

Ist die Konkurrenz, wie zum Beispiel Tweetbot oder die offizielle Twitter App, ein Problem für euch?
Konkurrenz ist immer gut. Es hilft uns auf Trab zu bleiben und zwingt uns dazu für unsere Kunden immer innovativ zu bleiben. Ohne Tweetbot würde es vielleicht nicht mal eine fünfte Version von Twitterrific geben, also sind wir ihnen in diesem Punkt sehr dankbar. Aber die offizielle App sehe ich aus verschiedenen Gründen nicht als direkte Konkurrenz an. Sie besitzt eine große Benutzerbasis, die sehr loyal ist. Wir designen nicht gezielt für diese Zielgruppe um sie für uns zu gewinnen. Wir designen für die, die ein freundlicheres, einfacheres und schöneres Interface wollen. Also ist es eine Win/Win Situation für uns.

Irgendwelche Infos was als Nächstes für OS X und iOS ansteht?
Wir sind mittlerweile sehr weit mit der Entwicklung von Twitterrific 5.0.1, die einige Verbesserungen mit sich bringt. Dann ist 5.0.2 dran, die einige nette Funktionen hinzufügt, die es nicht in die erste Version geschafft haben.

iPad mini oder Retina iPad?
Hehe. Retina iPad, aber auch nur weil ich ein Designer bin und diese verflixten Pixel nicht sehen will. Aber sobald es ein iPad mini mit Retina Bildschirm gibt, werde ich es schnellstmöglich kaufen.

Wir wollen uns hiermit noch einmal bei Gedeon Maheux und der Icon Factory für das Interview bedanken. Twitterrific 5 ist seit heute für einen Startpreis von 2,69€ als universelle App erhältlich. Mehr dazu in unserem Review.

Autor: Kevin Wammer
23 Jahre. Blogger, Redakteur, Mitgründer, Podcaster, Gamer, Halb-Italiener, Halb-Luxemburger, Prokrastinat, Buzzword 1, Buzzword 2.