Review: Twitterrific – erster Twitter Client erreicht Version 5

Als ich 2008 mein erstes Twitter-Profil erstellt habe, war die Welt noch schön und in Ordnung; zumindest die von Twitter. Der Dienst fing langsam an in Europa Fuß zu fassen, erlebte in den Vereinigten Staaten einen Durchbruch und wurde immer beliebter. Dennoch war der Dienst bei Weitem nicht so ausgereift, wie er es heute ist. Das Maskottchen in Form eines Vogels gab es noch nicht, Twitter war noch frei von Belieber und Monsters und sonderlich viele Apps gab es auch nicht. Die Beliebtesten waren zu der Zeit mit Sicherheit Twitterrific und Tweetie. Obwohl Twitterrific die erste App überhaupt war und unter anderem verantwortlich für den Ausdruck “Tweet” und den Vogel als Logo ist, war Tweetie, die am meist gepriesenste App. Sie war Grund für zahlreiche, heute kaum mehr wegzudenkenden Funktionen, wie Pull-to-Refresh.

Irgendwann merkte aber auch Twitter, dass Tweetie beliebt war und sie vielleicht mal anfangen sollten, eine eigene App zu erstellen. So geschah es, dass Tweetie samt Entwickler Loren Brichter aufgekauft wurde und als Twitter for iPhone neu auf dem Markt erschien. Viele sahen das als Untergang der App und fingen an sich nach Alternativen umzuschauen. Auch für mich war dies der Fall, jedoch konnte ich lange Zeit keine App finden, die mir Tweetie voll und ganz ersetzen konnte. Irgendwann kam aber Tweetbot und die Welt war wieder schön.

Nun sind wir aber an einem Punkt angelangt, an dem Twitter, die zahlreichen Apps ein Dorn im Auge sind. Obwohl sie anfangs die API stetig ausgebaut haben und Drittentwickler dazu aufforderten Apps zu bauen, tun sie nun das Gegenteil. Will ein Entwickler einen voll funktionsfähigen Twitter-Client bauen, darf er nicht mehr als 100.000 Nutzer haben. Ob sich dies in der nächsten Zeit ändern wird, bleibt abzuwarten.

Aber obwohl es dieses Limit gibt, erscheinen weiterhin neue Apps oder zumindest Aktualisierungen von den bereits Erschienenen. So auch im Falle einer App, die ich während der ganzen Zeit zu ignorieren schien, obwohl sie die Erste war. Während der ganzen Zeit arbeitete The Iconfactory stetig an Twitterrific weiter und veröffentlichte heute die fünfte Version, die ich mittlerweile schon länger teste.

Design

Für Twitterrific 5 hat sich das Designer-Team von The Iconfactory wieder an das Zeichenbrett gesetzt und erschuffen ein komplettes neues Design, vergleicht man dieses mit der Vorgängerversion.

Öffnet man das erste Mal die universelle App wird man von einem minimalistischen Design in weiß begrüßt. Im oberen Bereich des Bildschirmes findet man 5 Schaltflächen: Das eigene Profil, in dem auch die Einstellungen versteckt sind, den Home-Tab, Mentions-Tab, DM-Tab und den Knopf um einen Tweet zu erstellen. Ansonsten gibt es keine anderen Buttons oder Elemente. Scrollt man durch die Timeline, findet man schnell Tweets in unterschiedlichen Farben: Schwarz stehen für normale Tweets von Leuten, denen man folgt. Orange sind die Replies, die man bekommt und grün sind die eigenen Tweets. Dann gibt es noch blau für DMs. Dies ist die einzige Möglichkeit, um zwischen den verschiedenen Tweets zu unterscheiden.
Ist man kein Freund dieses Designs gibt es in den Einstellungen die Möglichkeit, das Design leicht zu verändern. So kann man zwischen 5 Fonts auswählen, die Profilbilder, sowie die Schriftgröße größer oder kleiner machen, man kann zwischen einem hellen und einem dunklen Theme wechseln und schlussendlich den Abstand zwischen den Zeilen verringern oder vergrößern.

Eine interessante Funktion, die in den Einstellungen zu finden ist, ist, dass man ein Nachttheme einschalten kann. So springt das helle Theme um 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens auf das Dunkle um. Diese Zeiten sind festgelegt und nicht veränderbar.
Eine weitere Funktion, die mit dem Design der App zu tun hat, ist die “unified Timeline”. Schaltet man diese Option in den Einstellungen an, zeigt einem Twitterrific alle Replies in der Haupt-Timeline an, egal ob man der Person folgt oder nicht. Kriegt man täglich tausende von Replies, sollte man die Funktion lieber abschalten.

Mein Lieblingsdesign-Punkt in der App ist jedoch was ganz anderes. Ist man am oberen Ende der Timeline und will man per “Pull-to-refresh” den Feed aktualisieren, zieht man ein Ei runter aus dem der Twitter-Vogel schlüpft, der dann während der ganzen Aktualisierungszeit vor sich hin fliegt. Diese Animation hat zwar keinen besonderen Nutzen, ist jedoch schön anzusehen.

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Funktionen

Obwohl man es auf den ersten Blick nicht denken würde, ist die App eine wahre Feature-Sau. Auch ich hab ein wenig länger gebraucht, um alle zu finden, aber ein Blick in das Hilfe-Dokument von Twitterrific zeigt, wie man sich schneller zurecht findet.

Wie jeder gute Twitter-Client hat auch Twitterrific die Standard-Funktionen: Tweet schreiben, Bild & Link beifügen, natives Retweeten, Tweet faven, DMs und Replies schicken, Tweets übersetzen, ein In-App Browser, eine voll funktionsfähige Suche, Pull-to-refresh und was man sonst noch alles so kennt. Dies kann mittlerweile jede App und auch Twitterrific 5 setzt diese Funktionen gut um.

Zusätzlich zu diesen Funktionen hat aber Twitterrific auch noch andere Stärken. So gibt es die Möglichkeit die Timeline über unterschiedliche Apps zu synchronisieren. Nutzt man beispielsweise auf dem iPad und auf dem iPhone Twitterrific ist der iCloud Sync wohl die beste Wahl. Dieser ist der schnellste Weg, funktioniert jedoch leider nur zwischen Apps aus der gleichen App-Schmiede und das auch nur limitiert. Da Twitterrific für Mac bisher keinen iCloud-Sync besitzt, würde diese Methode in dem Fall nicht gehen. Jedoch kann Twitterrific auch Tweet Marker. Dieser Sync ist zwar langsamer, jedoch ist es so möglich zwischen verschiedenen Apps wie Tweetbot for Mac und Twitterrific 5 die Timeline zu synchronisieren.

Eine weitere interessante Funktion ist der Offline-Support. So kann man ganz ohne Internetverbindung Tweets und Replies schreiben und sobald man wieder verbunden ist, werden diese abgesendet. Dies funktionierte in meinem Test relativ gut und könnte für iPod touch Besitzer sehr interessant werden.

Wo Twitterrific 5 aber wirklich punkten kann, ist bei den verschiedenen Gesten, die die App unterstützt. Für nahezu jede Funktion gibt es eine Geste. Angefangen bei der Geste für den Fullscreen-Modus. Wischt man mit zwei Fingern leicht nach oben, beziehungsweise nach unten, kann man die Statusleiste ein- und ausblenden. Schreibt man einen Tweet, hat man in diesem Fenster auch eine Reihe von Gesten. Hält man das Kamera-Symbol gedrückt, fügt diese Funktion automatisch das als letzt erstellte Bild in der Camera Roll ein. Tippt man den Zeichenzähler an, kann man mit dem “x” den kompletten Tweet auf einmal löschen. Befindet man sich in der Timeline und will schnell auf einen Tweet eine Antwort schicken, zieht man den Tweet nach rechts. Zieht man ihn nach links, sieht man das ganze Gespräch und mögliche Replies. Hat man mehrere Accounts in der App, hält man das Avatar-Bild kurz gedrückt und kann dann zwischen den verschiedenen Accounts auswählen. Weitere Optionen gibt es dann auch, wenn man Links, Benutzernamen oder Bilder länger antippt. So kann man Bilder zum Beispiel abspeichern, Artikel zu Instapaper schicken oder das Profilbild von Leuten ansehen. Für alle Gif-Fans gibt es auch die Möglichkeit per Links- und Rechtswisch durch die Animation zu scrollen. Schlussendlich kann man auch in Twitterrific 5 den Account Cache leeren, sollte es zu einem Problem mit der Timeline kommen. Öffnet man die Ansicht der verschiedenen Accounts, hält man ein Profil länger gedrückt. Durch das darauf erscheinende “X” kann man den Cache leeren.

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iPad-App

Wie auch schon Twitterrific 4, ist die neuste Version aus dem Hause The Iconfactory eine universelle App, man kann also die App sowohl auf dem iPhone, als auch auf dem iPad installieren. Von der Funktionalität und vom Design her sind beide Apps nahezu identisch. Man könnte The Iconfactory fast vorwerfen, die iPhone App einfach vergrößert zu haben und sie dann auf das iPad portiert zu haben. So einfach ist das jedoch nicht, kleine Unterschiede gibt es schon. Man hat in der Timeline nicht mehr nur 3 Tabs, sondern einen vierten, der einem alle Tweets anzeigt, die man selbst gefaved hat. Dreht man das iPad in die Landscape Ansicht, kann man außerdem noch einstellen, dass die Sidebar immer sichtbar ist. Die Sidebar zeigt einem dann die Suchfunktionen, Listen, das Profil sowie die verschiedenen Einstellungen an.

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Mängel

Nicht jede App ist perfekt. So hat auch Twitterrific seine kleinen Mängel.
Zum Einen fehlt mir die Funktion Hashtags oder gar Leute zu muten. Manchmal wird mir so viel Mist in die Timeline getweetet, dass ich die Leute am liebsten für einen Tag ausblenden will. Auch sind manche Twitter-Trends, die mit einem Hashtag versehen werden, für mich eher uninteressant und stören nur. Lösung: Ausblenden auf ewig. Meine Mute-Liste in Tweetbot ist ellenlang. In Twitterrific gibt es die nicht und somit kann ich meine Timeline nicht sauber halten.

Twitterrific 5 unterstützt auch keine Push-Notifications. Nutzt man Twitter, wie ich, hauptsächlich als Kommunikationstool, kann es schon mal passieren, dass man schnell eine Mention oder DM verpasst.

Zudem gefällt mir die Sidebar in der iPad App nicht. Im Vergleich mit der von Tweetbot bietet mir diese keinen sonderlichen Mehrwert und zeigt mir hauptsächlich nur die Suchfunktion an, die ich nie nutze, sowie die Einstellungen, die ich vielleicht einmal in der Woche aufrufe. Auf der anderen Seite gefällt mir die Landscape-Ansicht ohne Sidebar jedoch auch nicht, da die Tweets hier einfach zu groß vorgestellt werden und nur selten so viel interessanten Inhalt haben.

Letztendlich fehlt mir noch eine Thumbnail-Ansicht von verschiedenen Dingen, wie Bildern oder Links.

Fazit

Alles in allem ist Twitterrific 5 eine schöne App, die die richtigen Funktionen aufweist. Während meiner einwöchigen Testphase habe ich auf dem iPhone fast ausschließlich nur Twitterrific benutzt, da mir das minimale und saubere Design gefällt und mir die Gesten Spaß machen. Auf dem iPad jedoch habe ich weiterhin Tweetbot benutzt, dank Tweet Marker Sync war das jedoch kein Problem und ich konnte problemlos zwischen den unterschiedlichen Geräten wechseln. Dennoch fehlen mir einige wichtigen Funktionen, die mich am Ende wohl oder übel doch wieder zu Tweetbot ziehen könnten. Falls in einem späteren Update die fehlenden Funktionen jedoch hinzugefügt werden, könnte ich mir vorstellen zu wechseln. Außerdem bin ich gespannt, was die Mac-App zu bieten hat und wie sie aussehen wird.

Twitterrific 5 ist ab heute für einen Startpreis von 2,69€ als universelle App erhältlich. Zudem werden wir im Laufe des Tages ein Interview mit Gedeon Maheux, Mitgründer von The Iconfactory, veröffentlichen, in dem wir ihn über die Entwicklung von Twitterrific und die Polemik rund um Twitter und den limitierten Tokens ausgefragt haben.

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Autor: Kevin Wammer
23 Jahre. Blogger, Redakteur, Mitgründer, Podcaster, Gamer, Halb-Italiener, Halb-Luxemburger, Prokrastinat, Buzzword 1, Buzzword 2.
  • Ju114n

    Modern Combat 4 ist draussen!!!!!!!!!!!!! :)))))))))))

  • Boncas

    Sehr schöner Artikel, hat mich bewegt den Client mal anzuschauen. Glaube aber ich bleibe bei Tweetbot. Alleine schon wegen Push.