“Bitte nicht rennen!” Es ist 9:17. Die gamescom hat seit 17 Minuten für das Publikum geöffnet. Die Schlangen an den Eingangstüren werden immer kürzer. Diejenigen, die man schon rein ließ, laufen in Richtung Messehallen. Sie werden aber von den angespannten Security-Leuten angehalten. Man brauche nicht zu rennen, die Türe seien ja erst seit kurzem geöffnet. Man habe noch alle Zeit der Welt. Das stimmt aber nicht ganz. Nach nur 17 Minuten stehen die meisten schon in den Schlangen. 7 Stunden Wartezeit für Assassin’s Creed steht auf einem Schild. Und das nach nicht mal 20 Minuten. Schaut man sich die Personen genauer an, merkt man, dass sie genervt und gelangweilt sind. Viele sitzen auf dem Boden und haben Essen dabei, das wahrscheinlich für den ganzen Tag reicht. Sie wissen wohl, dass das eine längere Angelegenheit wird. Viele haben auch einen Nintendo 3DS dabei und spielen wie wild darauf rum. Alle scheinen vorgesorgt zu haben.
Ich bin schon etwas länger auf dem Gelände. Dank meinem Presseausweis hab ich eine Stunde früher Einlass. Genug Zeit um mir einen Einblick zu verschaffen. Es gibt mehrere Messehallen, davon sind die beliebtesten wohl Halle 7 und 9. Dort findet man die Blockbuster, wie Spiele aus dem Hause Ubisoft oder Electronic Arts. Auch ist Assassin’s Creed ein Spiel von Ubisoft. Trotz dem Schild und der riesigen Schlange stellen sich weiterhin Menschen hinten an.
In der nächsten Halle ist es, genau wie auf dem restlichen Messegelände, sehr laut. Jeder Stand scheint einen Rekord in Sachen Lautstärke aufstellen zu wollen. Man hört sich fast selbst nicht mehr. Jedoch ist es in den Hallen auch recht kühl. Verlässt man das Gelände hat man das Gefühl, man würde in eine Wand aus Hitze laufen. Sahara-Sommer wird dieses Wetter liebevoll genannt.
Langsam füllen sich die Hallen und Gänge. Es scheint fast so, als wären alle hineingelassen worden, die vorher noch auf dem Boden saßen und warteten. Es wird gedrängelt und geschubst. Zwischen den Menschenmassen stechen noch eine Reihe von kleinen Ständen, die Brezeln verkaufen, heraus. Diese vereinfachen einem das Vorbeigehen nicht wirklich. Ich gehe in die nächste Halle, wo der Playstation Stand ist. Die komplette Halle scheint in einem blau zu schimmern. Außerdem ist dieser Stand recht groß, mit Abstand der Größte auf der Gamescom überhaupt. In einer der Ecken sitzen die Menschen auf Sitzsäcken und halten eine PS Vita in der Hand, die mit einem Kabel an einem Tisch verbunden sind. Alle schauen gespannt und hochkonzentriert auf den Bildschirm. Sie merken nicht einmal, dass sie beobachtet werden. Unter den vielen starrenden Köpfen, sticht mir einer besonders ins Auge. Ein Mann und seine Frau lachen gemeinsam während sie auf dem kleinen Handheld spielen. Er zeigt mehrmals auf den Bildschirm und beide lachen los. Es muss sich hier um ein witziges Spiel handeln. Ich bekam aber nicht die Möglichkeit es anzutesten.
In einer weiteren Ecke stehen mehrere Kasten, die aussehen als wären sie aus einem Seifenkistenrennen gestohlen worden. In diesen Kasten liegen Kissen und davor steht ein Fernseher. Auf diesem Schirm läuft LittleBigPlanet Karting. Diese Seifenkisten sind wahrscheinlich da, um das Gefühl von Rennwagen zu verstärken. Alle mögliche Menschen sitzen in diesen Kisten. Die Meisten sind eher jünger, doch auch einige ältere Menschen sitzen in dieser engen Box. Selbst Väter verscheuchen ihre Kinder um selbst spielen zu können. Diese vertrösten sich dann mit dem neusten Produkt aus dem Hause Sony: Wonderbooks. Bei Wonderbooks handelt es sich um eine neue Plattform für die Playstation 3.
Der Spieler hat ein Buch vor sich liegen, das mit einer Kamera auf dem Fernseher angezeigt wird. Auch der Spieler selbst, der einen Controller in der Hand hält, ist zu sehen. Auf dem Fernseher sieht man ein Buch, das aussieht als wäre es aus der Bibliothek in Hogwarts entwendet. Und tatsächlich handelt es sich hier um ein Spiel aus der Harry Potter Reihe. Ein Kind das davor sitzt, schwenkt mit dem Controller hin und her, welcher auf dem Bildschirm als ein Zauberstab dargestellt wird. Das Kind scheint Spaß zu haben, auch wenn es mehrere Anläufe braucht, um die Aufgabe zu meistern, die der Fernseher ihm vorsagt.
275000 Menschen werden auf der diesjährigen Gamescom erwartet. 25000 mehr als letztes Jahr. Und wenn man bedenkt, was letztes Jahr geschah, überfällt einen sehr schnell das Grauen. Am gamescom-Samstag 2011 waren die Messen überfüllt mit Menschen, da scheinbar zu viele Tickets verkauft wurden. Einigen Besuchern wurde selbst der Eintritt verwährt. Dieses Jahr soll das aber anders sein. Die Veranstalter haben die Anzahl an Tickets für den Samstag limitiert und es wurden auch mehrere Eingänge hinzugefügt. Insgesamt sind es nun 4. Auf dem diesjährigen Samstag scheint es ruhiger zu sein. Trotz voller Gänge ist bisher noch kein Chaos ausgebrochen. Aber es ist noch früh am Morgen und man sollte sich nicht zu viel versprechen. Immerhin strömen weiterhin Leute aus den Eingängen zu den verschiedenen Messehallen.
Ich begebe mich in die nächste Halle. Hier springt mir sofort eine neue Schlange ins Auge. Diese ist zwar nicht so lang, wie die für Assassin’s Creed, dennoch ist sie nicht zu verachten. 300 Minuten Wartezeit heißt es für Dishonored. Als ich die Halle betrat, wurden gerade eine Reihe von Menschen hinein gelassen. Im Vergleich zu Assassin’s Creed sind das sogar recht viele. Jedoch ist Dishonored nicht das einzige beliebte Spiel auf dieser Messe. Um genau zu sein gibt es noch 599 andere Aussteller auf der diesjährigen Messe. 43 mehr als letztes Jahr, obwohl globale Player wie Microsoft, Nintendo, THQ und Sega abgesagt haben. Laut Microsoft ist der Grund hierfür Streitigkeiten mit Koelnmesse, dem Veranstalter der gamescom und nicht wie bisher angenommen, wegen des Infragestellens der Bedeutung der Messe.

140000 Quadratmeter haben sich die Aussteller gesichert. Die größten Stände haben, rein nach Gefühl, Sony mit ihrem Playstation Stand und Activision/Blizzard die Starcraft 2, Diablo 3 und das neuste Erweiterungsspiel für World of Warcraft vorstellen: Mists of Pandaria.
Die Aussteller sollen, laut Aussagen des Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware, aus 31 Ländern stammen. Das ist ein Zuwachs von sieben Prozent. Man merkt also recht schnell, dass die gamescom immer mehr an Wichtigkeit gewinnt.
Mittlerweile ist es kurz nach 12. Der Hunger packt mich. Essen gibt es hier genug. Von gebratenen Nudeln mit Hühnchen bis zu Salate mit Thunfisch gibt es hier alles. Am beliebtesten sind wohl Currywurst und Frikadelle. An fast jedem Stand gibt es die deutsche “Spezialität”. Ich entscheide mich für einen Hamburger, der übrigens besser schmeckt als die Version aus einer großen amerikanischen Schnellimbiss-Kette. Jedoch ist er mit 5 Euro auch um einiges teurer. Ich schlender mit meinem Hamburger wieder Richtung Messegelände.
Die Hitze ist mittlerweile unerträglich und das sieht man den meisten Menschen auch an. Sie versuchen sich alle im Schatten hinzusetzen und ihnen läuft der Schweiß ins Gesicht. Es sind 36 Grad und der Himmel ist komplett blau. Durch die hohen Gebäude der Kölner Messe weht fast kein Wind, was die Hitze unerträglicher macht. Hitzehoch “Achim” verwandelt die gamescom in eine Sauna. Doch das ist nur außerhalb des Messegeländes der Fall. In den Hallen selbst herrschen kühle 25 Grad. Und das obwohl so viele Menschen in den Hallen umherlaufen. “Die Klimaanlagen laufen seit gestern Nacht auf Hochtouren”, erzählt mir eine Mitarbeiterin. “Wir wollen die Messe den Besuchern so angenehm wie möglich gestalten.” Den Gesichtern der Menschen zufolge haben sie dies geschafft. Viele flüchten nach ihrer Zigarettenpause ins kühle. Und auch für diejenigen, die neben dem ganzen künstlichen Licht gerne einige Sonnenstrahlen einfangen wollen, ist vorgesorgt. Außerhalb der gekühlten Hallen hat der Radiosender Big.FM einen kleinen Strand aufgebaut. Hier stehen einige Liegen, es läuft chillige Musik und eine kleine Bar bereitet einem Cocktails vor. Ich schnappe mir einen Margarita Cocktail und lege mich auch auf einer dieser Liegen. Die Menschen um mich scheinen die Sonne zu genießen. Einige schlafen, andere spielen Beachvolleyball. In Köln. Unter einer Brücke auf der Autos fahren.
Ich und mehrere tausend andere Personen laufen noch während einigen Stunden auf der Messe umher. Gegen 19 Uhr werden die Hallen langsam leerer. Auch die Schlangen werde kürzer, obwohl einige noch eine Wartezeit von einer Stunde haben. Langsam nagt die gamescom auch an den Kräften. Nach 4 Tagen, an denen man mehrere Kilometer umherlief, freut man sich auf sein Bett und auf jede Stunde, die man schlafen darf. “Es ist 20:45, die gamescom schließt in 15 Minuten ihre Türen.”, ertönt eine Frauenstimme über die Lautsprecher. Die meisten Besucher begeben sich in Richtung Ausgang und ich folge ihnen. Vor der Tür bietet man uns eine kühle Cola an, die man nach 10 Meter schon leer getrunken haben muss, um dort die leere Dose in einen Eimer zu schmeißen. Aber ich mag keine Cola.
(Danke an Renie Richartz für die Bilder)


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Der Name
24 August 2012 um 18:19Bewerten:
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Man hätte mit der Cola Dose auch 100m weiter bis zum Bahnhof gehen können ;)
Kevin W.
24 August 2012 um 19:36Bewerten:
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Die haben einem die Dose offen in die Hand gedrückt und einen anschließend genötigt, sie in diese Tonne zu werfen.
Skey
25 August 2012 um 0:36Bewerten:
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Man würde gefragt ob man eine trinken möchte oder man hat sich wie die meisten einfach angestellt, aber es wurde gesagt das die Cola dort verzehrt werden sollte und wieder zurückgegeben werden soll.
Zuhören muss man ;)
Pascal
24 August 2012 um 18:49Bewerten:
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Ich hätte 25 Cent in den Eimer geworfen und gesagt da ist das Pfandgeld :D
Simon
24 August 2012 um 18:59Bewerten:
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Du bist sehr gut in Sachen “Aufschreiben”…
Coker
24 August 2012 um 22:27Bewerten:
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Läuft auf der Gamescon rum, schreibt für Apfeltech und mag keine Cola? Was für eine Art geekiger Nerd bist du denn?
Trinkst du etwa Wasser? Mann, das ist nicht zum Trinken oder sogar Waschen, sondern um den Rechner zu kühlen!
Haha.
Kevin W.
25 August 2012 um 11:18Bewerten:
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Ich trinke nur Hackerbrause;)
Lv
24 August 2012 um 22:32Bewerten:
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Artikel hat mir gut gefallen:)
netsurfer912
24 August 2012 um 23:02Bewerten:
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Echt Super geschrieben! Danke für diesen Artikel.
Dennis
25 August 2012 um 10:09Bewerten:
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Was für Spackos stellen sich denn für etwas 7Std an? Scheiss digitale Welt voller verpickelter, Joes Pizza in sich reinfressende adipöse Kids.
Basti
25 August 2012 um 11:04Bewerten:
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Dann bin ich links um die ecke gegangen. Danach gerade aus und habe mir notiert, dass ich erst links und dann gerade aus gegangen bin, damit ich dann auch richtig im artikel schreibe, dass ich erst links und dann gerade aus gegangen bin…
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