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  schrieb am 23 August 2010 um 15:56

Apples Produkt-Politik (Teil 2/3)

Apple hat sich seit 2000 als erfolgreichster Aufsteiger in der Computerbranche bewiesen. Mit dem iPod gelang der kalifornischen Firma der Durchbruch zum sogenannten Consumer Market. Warum aber hat Apple keine Kunden, sondern Fans? Wie schafft man Produkte, die eigentlich kaum neue Features haben, aber trotzdem erfolgreich und oftmals wesentlich teurer als vergleichbare Konkurrenzprodukte sind?

Teil 2: Software und Exklusivität

Spotlight-Suche, Multitasking und sogar Apps waren in iOS nicht von Anfang an enthalten. Im Gegenteil, die allererste iOS-Version, damals noch “iPhone OS” genannt, war extrem abgespeckt im Gegensatz zu den Features, die wir heute kennen. Apple hat sich in Sachen Funktionalität zunächst zurückgehalten und iPhone und iPod touch mit Basic-Features ausgestattet, wie zum Beispiel Phone, Mail und Musikplayer. Unterstützung für mehrsprachige Tastaturlayouts wie QWERTY statt QWERTZ gab es erst seit Version 1.1.2. Außerdem wurden Usability-Verbesserungen erst im Laufe der Zeit hinzugefügt.

Aus der Sicht eines Entwicklers ist Apple die Sache richtig angegangen. Es war zudem fraglich, ob der Markt für iPhones und iPod touch bereit war – warum also gleich das ganze Pulver verschießen und die iPhones der ersten Generation mit Systemfunktionen zuballern? Die Benutzeroberfläche des iPhones stand quasi auf Kindesfüßen und die Kunden liebten den Touchscreen auch ohne Voice Notes, Kompass oder GPS. Entwicklungskosten für das Erstrelease waren dementsprechend relativ gering und man erforschte, welche Features gewünscht waren und ging erst in kommenden Versionen darauf ein.

Das Selbstwertgefühl der Marke Apple hatte dennoch einen Einfluss – so ignorierte man schlichtweg den Wunsch der Kunden, MMS zu versenden, und wies stattdessen mit einem arroganten Unterton auf die Email-Funktion hin. Und das ist das, was Apple unter Konkurrenten so herausragend, so auffallend macht: der Elitismus. Apple bietet ganze Produkte an. Apple macht die Produkte exklusiv, verkauft sie als perfektes Bundle – iPhones mit Verträgen, iDevices allgemein mit dem charakteristischen 30-Pin Dock Connector. An dieses “Credo” müssen sich Umsteiger oftmals erst einmal gewöhnen.

iPhones unterstützen ebenso wenig Speichererweiterungen wie Macs neue Grafikkarten. Bei Macs ist die Exklusivität der Komponenten sogar viel durchgreifender und wesentlicher: Man hat keine Chance, einfach so eine Grafikkarte eines iMacs auszutauschen. Alleine aufgrund des Designs wird es dem Inhaber schon wehtun, das Gehäuse durch Abnehmen der Glasplatte auf dem Bildschirm zu öffnen – und somit sowohl physikalische als auch philosophische Einheit des geliebten Apple-Produkts zu zerbrechen. Wenn man die technischen Innereien eines Macs auf dem neuesten Stand halten will, sollte man einen Mac Pro benutzen – und kräftig draufzahlen. Dafür bekommt man jedoch die Möglichkeit, jene Komponenten problemlos und schnell mit einer Art Schubladensystem auszutauschen.

Warum erlaubt sich Apple aber immer noch, teilweise scheinbar unproportional hohe Preise für seine Produkte zu verlangen? Auf das Argument, dass das Design der Produkte zeitlos ist, bin ich bereits im ersten Teil eingegangen. Der zweite Teil der Antwort auf diese Frage ist höchst subjektiv und ich als Autor und Mac-Nutzer muss zugeben, von der Apple-Philosophie beeinflusst zu sein. Man zahlt nicht für Komponenten; Software und Betriebssystem spielen hier ebenfalls eine sehr große Rolle. Mit Mac OS X erhält der Kunde ein Mac-exklusives Betriebssystem (na gut, Hackintoshs wollen wir mal außer Acht lassen), welches eine sorgfältig gestaltete, aber nicht vom Workflow ablenkende Benutzeroberfläche hat, welches hochperformant, stabil, einfach zu bedienen und sicher ist und aus jenen Gründen oftmals von Künstlern und Musikern verwendet wird.

Games und ähnliche Spielereien sind zwar oftmals nicht mit der Plattform kompatibel, doch Apples Zielgruppen sind nicht Jugendliche. Der Markt für Macintosh-Computer ist wesentlich reifer (und oftmals auch reicher) und die Kunden wollen nicht zocken, sondern tatsächlich produktiv mit einem Mac arbeiten können. iWork und iLife sind die benutzerfreundlichsten Multimediapakete ihrer Art – und sie funktionieren nur mit Mac OS X.

Ähnlich verhält es sich mit iPhones und allgemein mit iDevices: iOS ist derzeit eines der hübschesten mobilen Betriebssysteme, man kann es jailbreaken und die Menüführung ist einwandfrei. Mit Multitasking wurde iOS aufgebessert. Andere Smartphones, die das App auf dem Homescreen oder Inertial Scrolling imitieren, ruckeln oftmals bei der Darstellung und bringen die User Experience leider einfach nur halbherzig rüber.

Dieser Elitismus ist bis zu einem gewissen Level vertragbar, akzeptabel und sogar wünschenswert. Bis jetzt hat Apple viel Geld daran verdient und einen hohen Status unter Computer- und Softwareherstellern gewonnen. Über die Preise kann man diskutieren; viele Upgrade-Optionen besonders bei Macs sind meiner Meinung nach überteuert. Außerdem würde ich mich einer Lösung Apples von den üblichen Vertragsanbietern wie Telekom oder AT&T nicht in den Weg stellen.

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Autor: Marco M.

Marco, 18 Jahre alt, etwas älterer Apfeltech-Hase und absoluter Technik-Freak. Wenn man mich mal nicht in Verbindung mit IT-affinem Zeug sieht, spiele ich Fußball, lese ich oder schaue Filme auf Blu-ray an.

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