Aus Kassel. Seit '09 dabei. Schreibt gelegentlich für Apfeltech, hauptsächlich in Form von Kolumnen. Ansonsten zu finden auf Twitter.
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- Felix Böhm
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Droht das Ende freier Streaming-Musik?
Das Streamen von Musik wird immer populärer. Es gab bereits Studien, die gezeigt haben, dass Jugendliche eher Musik streamen anstatt sie zu downloaden und lokal zu speichern (auch illegal). Doch jetzt beginnt das Zeitalter der Streaming-Musik, kurz nach seinem Anfang, bei uns schon wieder aufzuhören. Schuld ist wohl mit die GEMA, doch auch unsere Mentalität lässt uns vom Anbieten solcher alternativen Angeboten zurückschrecken.
Wenn wir uns an früher erinnern: Da hat man sich hingesetzt und seine Musik einfach auf YouTube gesucht und dort abgespielt. Dann hat sich der Dienst mit der GEMA angefeindet. Nach zahlreichen Verhandlungen ohne Resultat hat YouTube erklärt, die Forderungen der GEMA wären zu hoch und hat dann alle Musikvideos, auf die die GEMA Rechte hält, gesperrt. Bald hat dann YouTube mit Vevo eine eigenständige Seite nur für Musikvideos rausgebracht, aus Deutschland kann man jedoch nicht darauf zugreifen. Um gesperrte Videos abzuspielen, muss man über einen Proxy gehen. Immerhin wurden diese nicht gesperrt.
Ein anderer Fall: der Service Spotify. Über ihn kann man Musik hören, Playlists anlegen, Stücke weiterempfehlen, das Ganze auf einem Freemium-Modell aufbauend, was so viel heißt wie “gratis mit Werbung, für 10 Mücken im Monat ohne Werbung und mit iPhone-App”. Dank der GEMA aber wieder nicht in Deutschland. Zwar kann man sich einen Account anlegen, doch nach neusten Informationen sind die Verhandlungen mit der GEMA “ins Stocken geraten”. Man wolle keinen festen Preis pro Abruf zahlen.
Wie sieht es mit den Rechteinhabern aus? Warner Bros Music will keine Deals mehr mit Streaming-Anbietern eingehen. Manche haben jetzt bereits nachgefragt, ab wann dann Radioübertragungen verboten werden, deutlich ist das Zeichen aber schon: die Leute sollen wieder richtig blechen. Das ist nur zu verständlich, nachdem beispielsweise Lady Gaga für tausende Streams auf der Musik-Seite Lala gerade mal ein paar Peanuts bekam. Das Abwenden von schlechten Geschäftsfeldern mag also verständlich sein.
Gucken wir uns mal international um. In den USA (und wohl bald auch auf der Insel, hier nur über einen Proxy) gibt es mit Hulu einen Service, der es ermöglicht, gratis, dafür aber mit kleinen Werbeunterbrechungen, auf eine große Sammlung von TV-Serien und -Shows großer US-Sender, die gleichzeitig Besitzer des Dienstes sind, zuzugreifen und sie sich anzuschauen. Hulu ist der Zeitfresser schlechthin. Nun wird der Dienst wohl auch auf dem iPad verfügbar sein, doch – Überraschung! – wird dort wohl was kosten. Insbesondere durch die Versuche Apples, Serien für 0.99$ pro Episode anzubieten, wird Hulu es schwer haben, sich zu etablieren.
Dann schließlich spielt die deutsche Mentalität wohl auch noch ein Thema. Start-Upper (Leute, die eine eigene Firma gründen) klagen, in Deutschland wäre es schwierig, Risikokapital zu bekommen. Wir planen halt gerne alles vorher. Genau so in der GEMA: man will sich nicht experimentellen Geschäftsfeldern anvertrauen, lieber kassiert man zu viel als zu wenig. Dass damit die Konsumenten auf Angebote verzichten müssen, ist der Behörde offensichtlich absolut egal. Als Vertreter der Künstler ist man anscheinend nur für die andere Seite zuständig, die Vertragspartner, die dritte Seite, uns, die Verbraucher, ignoriert man. Wer will dann noch klagen, wenn wieder riesige Zahlen von Verlusten durch Raubkopien veröffentlicht werden?
Als Apple-Fans wissen wir: die digitale Distribution von Musik boomt, besonders durch iTunes. Doch hat nicht jeder das Geld, für jedes Stück, dass er sich mal anhören will, gleich zu blechen. Die Angebote, Stücke einfach mal streamen zu können, waren daher klasse und haben viele zum Kauf der Musik angeregt. Man kann noch hoffen, der sich momentan abzeichnende Trend ist als Folge der Wirtschaftskrise abzustempeln und wegzulegen, doch werden die Ersten jetzt wieder ihr BitTorrent-Programm öffnen und sich auf die Zeit nach der kostenlosen Musik vorbereiten. Wenn dann noch das Ende der Pirate Bay erwähnt wird, dann drehen diese Idioten - Verzeihung! – armen Individuen total durch. Da kann man eigentlich nur noch in die Schweiz auswandern. Los geht’s, Kartons packen!


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