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  schrieb am 30 Januar 2010 um 12:47

10 Gründe, warum das iPad doch nicht floppen wird

Der gestern von mir veröffentlichte Artikel “10 Dinge, warum das iPad floppen wird” hat bereits die Gründe gesammelt, warum ich vom iPad etwas enttäuscht bin. Warum ich aber an die Unmöglichkeit dieses Flops glaube, dazu habe ich jetzt noch mal 10 Gründe gesammelt und in diesem Artikel gebündelt.

  1. Preis Der Preis des iPad ist ein absoluter Kampfpreis. Apple wird zwar nach wie vor Gewinn mit ihm machen, doch sind 499$ erschwinglich. Das sieht man schon an der Haltung der Investoren: bei der Ankündigung des iPad waren diese skeptisch. Die Apple-Aktie machte einen Knick nach unten. Dann, als der Preis genannt wurde, schnellte sie wieder hoch, die Investoren waren begeistert.
  2. Zielgruppe My very own Großvater hat schon Interesse an dem Gerät angemeldet. Seiner Meinung nach löst das die Notebooks ab. Ich habe ihm davon abgeraten, er ist nach wie vor begeistert. Mein Opa ein “Early Adopter”? Das hört sich für mich äußerst schräg an, bei genauer Betrachtung kann ich das aber verstehen: bislang hat er ein Notebook. Auf diesem verwendet er meistens den Internet Explorer und Outlook Express aka Windoof Mail. Wenn ich an die Stunden denke, die ich bereits damit verbracht habe, ihm die Anwendungen zu fixen, irgendwelche sonderbaren Probleme aus der Welt zu schaffen und den Kopf zu schütteln, dann glaube ich, dass er mit einem iPad rundherum glücklich sein wird. Er ist eindeutig kein Administrator, er muss mal eine Mail schreiben, mal eine Seite besuchen, das iPad scheint auf ihn gefertigt zu sein. Ich hingegen will halt mal eine Konsole vor mir sehen, tiefen Einblick ins System erlangen. Das wird mit dem Jailbreak kommen, doch vorerst bin ich nicht mit dem iPad angesprochen.
  3. A4 & 1080p Apple hat mit A4 einen Chip angekündigt, der unheimlich energiesparend Videos dekodieren kann. Selbst hochaufgelöstes Material mit 1080p soll der Chip verarbeiten können. Das entspricht einer Bildschirmauflösung von 1920 mal 1080, das “p” steht für “progressiv” und bedeutet, das Bild wird mit Ganzbildern wiedergegeben (das Gegenteil wäre “i” für “interlaced“, dabei wird jeweils nur die Hälfte des Bildes aktualisiert). Dieser Chip ist absolut revolutionär. Eine wirkliche Innovation, auch wenn die Wenigsten ihn zu schätzen wissen werden.
  4. Betriebsdauer Apple verspricht, das iPad hätte genug Power, um 10 Stunden Videos wiederzugeben. Man stelle sich mal vor: das reicht, um von Frankfurt nach Chicago zu fliegen und dabei permanent Videos zu schauen. Da eBooks nicht so viel Prozessorleistung erfordern wie Filme (selbst mit A4), sollte man auch alternativ lesen können. Den ganzen Flug über die eigene Unterhaltung mit dabei – ein Traum.
  5. Ladedauer Dann steigt man in Chicago aus und muss sich auf den Weiterflug vorbereiten. Die üblichen 2 Stunden Aufenthalt (mit Glück), dann fliegt man weiter. Also begibt man sich zum Abfluggate und dort findet man dann eine Sache, die es in Europa leider noch nicht überall gibt: eine Ladestation für Notebooks. Genau genommen ist das einfach eine Stelle, die entfernt an alte Münztelefone erinnert (an beiden Seiten eine kleine Wand, damit man einen Hauch Privatsphäre verspürt) und einfach ein paar Steckdosen anbietet. Gegeben der Fall, man hat die nötigen Kabel im Handgepäck, dann kann man jetzt hier sein iPad anschließen. Worauf will ich hinaus? Apple hat versprochen, das Gerät wäre innerhalb einer Stunde geladen. Die anderthalb Stunden, die man nun noch zu warten hat, kann  man sein iPad laden und gleichzeitig im Internet surfen (auch eine tolle Sache in US-Flughäfen).
  6. Spartenprodukt Das iPad versucht, sich in der Sparte zwischen Notebook und Smartphone zu etablieren. Bislang wurde diese Sparte von Netbooks bevölkert, die unheimlich günstig sind, dafür aber erhebliche Mängel aufweisen. Auf ihnen versucht man, Anwendungen laufen zu lassen, die für mehr Performance entwickelt wurden. Zudem ist die günstige Herstellung auch mit qualitativen Einbußen belastet. Das iPad wird wohl in der für Apple üblichen Qualität produziert werden, der Preis liegt dann über den Netbooks, doch füllt das iPad die Lücke besser aus als Netbooks, da diese anstreben, vollwertige Rechner zu werden – und es nie erreichen können.
  7. OS 3.2 Der öffentliche Ordner und die Möglichkeit, Dateien mit bestimmten Apps zu öffnen, sind eine tolle Neuerung. Ich freue mich schon auf die Portierung dieser Möglichkeiten auf das/den iPhone/iPod touch. Das iPhone OS ist bereits einer Vielzahl an Leuten vertraut, auch wenn es das nicht sein muss: als ich meinen iPod touch erhalten habe, konnte ich intuitiv mit ihm umgehen. Das OS bietet zwar keinerlei Möglichkeiten zur Administration, nicht mal eine Benutzerverwaltung (was vielleicht gar nicht schlecht wäre, damit Familien das Teil gemeinsam nutzen könnten), doch ist es auf die Bedienung per Finger ideal ausgelegt. (Mehr zum OS 3.2 findet man hier.)
  8. Marketing Apple hat eine bestimmte Marketing-Strategie, die auch Google beim Nexus One versucht hat, nachzumachen. Durch die permanente Berichterstattung über neue Gerüchte zum iPad wurden zwar bei vielen falsche Hoffnungen geweckt, doch heißt es nicht umsonst “Jede PR ist gute PR”. Das iPad steht seit Monaten im Rampenlicht, und viele werden es ausprobieren wollen. Sehr lesenswert ist in diesem Bezug dieser Artikel von netzwertig.com .
  9. iTunes iTunes ist ein Schwergewicht. Neben den Apps kann der User hier auch Musik, Videos, Podcasts und bald auch Bücher downloaden. Auch wenn die meisten Apps für kleinere Formate entwickelt wurden, so werden doch bald Varianten speziell fürs iPad erscheinen. iTunes ist der weltgrößte Shop für digitale Medien. Man kann sagen, was man will, aber: der iTunes Store ist ausgezeichnet sortiert und bietet wohl für jeden etwas. Die Preise sind zwar nicht gerade günstig (auch wenn Apple momentan versucht, Fernsehsendungen auf 1$ runterzuhandeln), aber schon allein das vorgestellte Design von iTunes hat mich begeistert.
  10. Design Das iPad wurde von Jonathan Ive designed! Dem Meister der modernen, nutzbaren User-Interfaces! Es ist einfach schick. Und zudem dünn. Und leistungsfähig. Und günstig. Und qualitativ hochwertig. Und [bitte hier ein positives Adjektiv einsetzen]. Was will man schon mehr?

Fazit: beim direkten Vergleich der 10 Gründe für und gegen einen Flop, dann sind die dagegen doch etwas greifbarer. Das iPad mag seine Mängel haben, besonders, da es den an es gestellten Erwartungen nicht gerecht wird. Floppen wird es trotz dem nicht. Apple designed nicht für Nerds, sondern für Otto Normalverbraucher. Und das ist auch super so. Denn wie viele Leute kaufen bitte einen Server? Und vergleicht das bitte mit den Verkaufszahlen des iPhones? Simplere Produkte sind sexy. Server erfordern viel Arbeitsaufwand, das iPhone muss schnell mit iTunes synchronisiert werden, dann ist es einsatzbereit. Und das ist es, warum es so ungemein erfolgreich ist. Weil es unkompliziert ist, schnell einsatzbereit, erschwinglich (okay, da ist noch der rosa Riese). Wenn das iPad diese Spur weiter fährt, glaube ich an seinen Erfolg.

Anmerkung: Auch die Redaktion des (Satire-)Magazins Titanic hat sich mit dem iPad auseinander gesetzt. Den (nicht ganz ernst gemeinten) Artikel findet man hier.



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